Moderne Materialien und Technisches Kulturgut (MMTK)

Inhalte des Schwerpunktes

Die Alltagsgegenstände der Industriekultur sind uns vertraut und doch kaum bekannt. Die Schreibmaschine des Großvaters, die Nähmaschine der Urgroßmutter, die Krananlage, die lebensnotwendige Güter vom Schiff in die Eisenbahn verladen hat – wer kennt sie wirklich? Wer kennt sie, die Vorgänger von all den Dingen, die uns heute umgeben und mit denen die Welt im Laufe der vergangenen 120 Jahre überschwemmt worden ist? Wer kennt frühe Röhrenradios? Wie hat man bei uns um 1930, wie um 1955 die Lebensmittel zu Hause aufbewahrt, wie das Haus gesaugt oder die Wäsche gewaschen und gebügelt?

Die unmittelbar Vergangenheit der Menschen der Industrienationen liegt in der Entwicklung und Herstellung, im Handel und in der Nutzung all dieser Gegenstände, die bis heute unseren Alltag prägen und nicht selten während des Gebrauchs eine besondere manchmal persönliche Bedeutung erhalten. "Technisches Kulturgut" sind aber nicht nur die in vielfältigen Materialien geformten Produkte, sondern auch ihre Produktionsmittel, die Anlagen und Geräte. Unter "modernen Materialien" versteht man die mit hohem wissenschaftlichen Aufwand und gesellschaftlicher Investition entwickelten Materialien, die immer präziser spezifischen Anforderungen angepasst wurden und ohne die die industrielle Entwicklung gar nicht möglich gewesen wäre.

Um der Vielfalt der Objekte, von der Grubenlampe, über die Staatsflagge bis zum historischen Automobil, gerecht zu werden, ist ein interdisziplinärer Ansatz nötig. Es findet aber auch während  des Studiums eine Spezialisierung innerhalb des Fachgebiets statt, wenn sich die Studierenden bestimmten Objektgruppen oder auch Materialkategorien intensiver widmen als anderen. Möglich sind: Großobjekte und Anlagen, Kraftfahrzeuge, wissenschaftliche Instrumente (ab 18. Jh.), neuzeitliche Kleinobjekte aus industrieller Produktion, Kunst- und auch Designobjekten des 20. Jahrhunderts oder seit Neuestem auch mechanische und elektronische Musikinstrumente (in Kooperation mit dem Staatlichen Institut für Musikforschung des Preußischen Kulturbesitz, insbesondere dem Musikinstrumentenmuseum).

Berufsbild als Restaurator für Moderne Materialien und Technisches Kulturgut

Die Vielfalt des Berufsfelds bietet allen, die sich während des Studiums gut und sehr gut qualifizieren und die auch geografisch flexibel sind zahlreiche Möglichkeiten. Bachelor-Abgänger werden in der Regel als Restauratoren von Technischem Kulturgut, Restauratoren von Modernen Materialien tätig sein. Sie können aber auch als übergreifend zuständige Objektrestauratoren in Museen sowie in freien Ateliers, Laboren und Werkstätten für Restaurierung oder mit anderen zusammen freiberuflich arbeiten. Besonders häufig sind Angebote aus dem europäischen Ausland, da der Studienschwerpunkt so in der europäischen Hochschullandschaft nicht angeboten wird. Technische, historische, film- und musikhistorische Museen sowie Kunst- und Kunstgewerbe- oder Designmuseen und die Denkmalpflege können Orte der Beschäftigung werden. Auch technische Großanlagen und immer häufiger auch Beschäftigungen in wissenschaftlichen Forschungsprojekten sind möglich.

Unmittelbar im Anschluss an das BA-Studium oder auch nach einiger Zeit in der Berufspraxis wird für eine weitere berufliche Qualifikation und eine wissenschaftliche Laufbahn das Master-Studium immer wichtiger. 

Kompetenzfeld Regionale Industriekultur (KRIK)

Berliner Zentrum für Industriekultur (BZI)

  • Reinigung von Feinmechanik
  • Seminar im Schwerpunkt Moderne Materialien und Technisches Kulturgut
  • Objekt vor der Restaurierung
  • Animationsfigur Froschkönig von 1988 aus dem Filmmuseum Potsdam, Material: Latex lackiert, Polyurethanschaumstoff, Draht
  • Punktwolke des Halbportalkrans 16 im Westhafen Berlin (Foto © Stahn/Beck und Laserscan Berlin)