Die vier Schwerpunkte des Studienganges

Die Zeugnisse der Vergangenheit für die Zukunft bewahren

Kulturgüter, das sind die stummen Zeugnisse aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte. Ob prähistorische Steinwerkzeuge, mit viel Liebe verzierte mittelalterliche Gläser oder auch die mit großem Einfallsreichtum entworfenen Maschinen aus den Anfängen der Industrialisierung – all diese Kulturgüter haben als Zeitzeugen unschätzbaren Wert. Zugleich sind sie ständig vom Verfall bedroht. Die Ausgrabung oder Bergung sowie die Konservierung und Restaurierung solcher Güter ist eine faszinierende Aufgabe, die neben ausgeprägtem Fachwissen auch viel Sensibilität im Umgang mit Materialien und ihren Oberflächen erfordert. Die HTW Berlin vermittelt dieses Wissen im Bachelor-Programm Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik. Mit ihrer Arbeit an den unterschiedlichsten Kulturgütern ermöglichen die Absolventinnen und Absolventen den Menschen einen Einblick in ihre eigene Geschichte und in die gesellschaftliche Entwicklung – und tragen mit dieser Erinnerungsarbeit direkt zur Entwicklung der modernen Gesellschaft bei.

Schwerpunkt 1: Archäologisch-Historisches Kulturgut (AHK)

Was sich unter der Erde oder im Wasser finden lässt, kann im Vorfeld oft schwer beurteilt werden. Barocke Schuhe, antike Keramiken oder Textilreste – viele Objekte befinden sich bereits im Zustand fortgeschrittenen Zerfalls, bergen aber noch immer eine große Menge Informationen in sich. Die Studierenden des Schwerpunkts AHK lernen, die beschädigte Substanz zu erhalten und sich durch naturwissenschaftliche und konservatorische Methoden ihren Informationsgehalt zu erschließen. Wo nichts mehr zu retten ist, geht es um die Dokumentation und damit den virtuellen Erhalt des Objekts. Die Ausbildung in Bezug auf alle Materialgruppen und Epochen vermittelt Einblicke auch in verwandte Tätigkeitsbereiche und ermöglicht den Studierenden die unverzichtbare Zusammenarbeit beispielsweise mit Archäologen und Naturwissenschaftlern. Weitere Informationen zum Schwerpunkt

Schwerpunkt 2: Audiovisuelles und Fotografisches Kulturgut (AVF)

Ein riesiger Bestand an Fotografien, Filmen und Magnetbändern mit Video- und Soundsignalen wird in Sammlungen archiviert oder in Ausstellungen gezeigt. Inzwischen weiß man um den immensen kulturhistorischen Wert dieser medialen Aufzeichnungen. Doch es gibt nicht viele Spezialisten, die alte Fotografien und Filme identifizieren können. Die Verfahren sind faszinierend vielfältig und die Studierenden widmen sich der Untersuchung  der praktischen Konservierung und Restaurierung beispielsweise von Glasnegativen oder frühen, handkolorierten Filmen. Das Fachgebiet ist noch sehr jung und braucht die Studierenden, um durch Forschen und praktisches Experimentieren Methoden für ihre Bewahrung zu entwickeln und praktisch umzusetzen. Weitere Informationen zum Schwerpunkt

Schwerpunkt 3: Moderne Materialien und Technisches Kulturgut (MMTK)

Technik ist so neu, dass sie nicht erhaltenswert ist? Weit gefehlt: Sie ist der bestimmende Faktor der Lebenswelt und damit der vergangenen 150 Jahre; dadurch ist sie vielfältig auch zum Material und Gegenstand von Kunst der Moderne geworden. Sie zeugt von den gesellschaftlichen Entwicklungen und Bedürfnissen: Vom Förderturm im Steinkohlebergbau über große Krananlagen bis hin zu Automobilen und Eisenbahnen Präzisions- und Haushaltsgeräten sowie kleinen Alltagsgegenständen reicht das Spektrum. Sie alle weisen für spezielle Anforderungen neu entwickelte Materialien und Herstellungstechniken auf und bilden damit einen Teil des Gedächtnisses unserer Zeit. Diese Kulturgüter sind von Zersetzungsprozessen wie beispielsweise Korrosion oder der Versprödung von Gummi und Kunststoffen bedroht; ihr Erhalt erfordert viel Fachwissen und kontinuierliche Forschung. Die modernen Materialien treffsicher zu analysieren und ihren kulturellen Wert zu bestimmen sowie die erhaltenden Maßnahmen einzuleiten – das alles ist die Aufgabe der Studierenden und späteren Fachleute in diesem Schwerpunkt. Weitere Informationen zum Schwerpunkt

Schwerpunkt 4: Grabungstechnik

Wer sein Herz an die Archäologie verloren hat, aber nicht nur am Schreibtisch und in der Bibliothek sitzen mag, für den ist der Schwerpunkt Grabungstechnik die richtige Wahl. Doch die Tätigkeit auf archäologischen Fundstätten, ihr Auffinden und ihre Dokumentation verlangt die Bereitschaft, sich auf neueste natur- und ingenieurwissenschaftliche Methoden einzulassen, ebenso wie auf Computerprogramme zur Darstellung der Befunde und deren Auswertung. Praxisprojekte zeigen die berufliche Realität vom Inland bis hin zu außereuropäischen Ländern. Die Studierenden lernen, Fundplätze mit klassischen wie modernen Prospektionsmethoden zu lokalisieren, sie fachgerecht mit unterschiedlichsten Grabungstechniken auszugraben und zu dokumentieren, die Funde sachgemäß zu bergen, und die Ergebnisse aufzuarbeiten bis hin zur musealen Ausstellung und zu Schutzkonzepten für die Denkmale. Die über die Grenzen des eigenen Fachbereichs hinausgehende Ausbildung ermöglicht die spätere produktive Zusammenarbeit mit den benachbarten Tätigkeitsfeldern Konservierung und Restaurierung. Weitere Informationen zum Schwerpunkt

Kultur zum Anfassen

Allen Schwerpunkten gemeinsam ist die Vermittlung nicht nur kulturhistorischer, sondern auch fundierter naturwissenschaftlicher Grundlagen. In der Basisstufe (1. und 2. Semester) liegt das Hauptaugenmerk auf Chemie und Werkstoffkunde. In der Vertiefungsstufe geht es vor allem um die kulturhistorische Bedeutung und Analyse anorganischer und organischer Materialien. Nur durch die klare Einordnung von Bindemitteln, Kunststoffen, Metallen und anderen Werkstoffen und fundierte Kenntnisse über deren Aufbau und Zerfallsprozesse können die Studierenden diese Materialien sachgerecht erhalten. Das notwendige Wissen wird theoretisch und in praktischen Laborübungen vermittelt. Grabungstechniker erwerben in der Vertiefungsstufe Kenntnisse in geophysikalischer Prospektion und Archäozoologie und -botanik.

Die Besonderheit: Präventive Konservierung

Eine Besonderheit des Studiums an der HTW Berlin ist die Vermittlung fundierten Wissens über die Präventive Konservierung. Zunehmend mehr Museen und Sammlungen begreifen die Notwendigkeit vorsorgenden Schutzes. Die Ausbildung in diesem restauratorischen Spezialbereich befähigt die Studierenden, den Schutz ganzer Ausstellungen oder Kunsttransporte zu planen und umzusetzen. Berücksichtigung finden dabei Einflüsse durch Licht und Klima oder Schadstoffe, aber auch die sich aus Katastrophen ergebende Bedrohung der Kulturgüter. Zum Curriculum gehört unter anderem die Erarbeitung einer Notfallplanung und Katastrophenprävention. 

Das Bachelor-Programm Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik bietet damit eine umfassende, weit über den Tellerrand der jeweiligen Vertiefung blickende Ausbildung. Das inhaltlich abwechslungsreiche Studium wird durch einen hohen Praxisanteil mit Projekten, Exkursionen und einem mindestens zwölfwöchigen Fachpraktikum noch lebendiger. Kurz gesagt: Wer flexibel und neugierig ist und eine vielseitige Begeisterungsfähigkeit mitbringt, ist bei "Konservierung und Restaurierung/ Grabungstechnik" an der HTW Berlin genau richtig. 

Weitere Informationen

Ordnungen & Module
Infos zu Bewerbung, Ablauf und Abschluss des Studiums sowie Beschreibungen der Module
Infoblatt der Studienberatung [PDF]
Wichtige Infos auf einen Blick, Studienplanübersicht